Residenzschloss Altenburg

In 100 Sekunden durch unsere Schlosswelt: Sehenswürdigkeiten und Event-Locations

Uwe Strömsdörfer, Schloss- und Kulturbetrieb/Joachim Köhler MEDIADESIGN Erfurt (Drohnenaufnahmen)


Sonderausstellung "Hüttenzauber: 100 Jahre Altenburger Kunsthütte"

Sie waren eine verschworene Gemeinschaft und pflegten ihre Rituale mit derart bissigem Ernst, dass daraus Witz erwuchs. Sie bezeichneten sich selbst als Zwerge und jeder von ihnen erhielt einen eigenen Namen. Sie führten in ihrem Tun Satire und künstlerische Schaffenskraft zusammen, wenn sie das Frühlingsfest, die Sonnenwende oder das Julfest feierten. Sie waren Künstler, Intellektuelle, Menschen mit und ohne Einfluss. Zusammen waren sie: die Altenburger Kunsthütte.

Gründer und Kopf der Gruppe war der Altenburger Grafiker Otto Pech, auch Pix genannt. Der von ihm initiierte Verband bestand von 1919 bis 1938. Doch die künstlerischen Einflüsse sind vielfältig. Jungendstil und Symbolismus sind in den grafischen Arbeiten und Plastiken offensichtlich. Erhaltene Fotografien der Festrituale erinnern an Dada-Soiréen. Und im historischen Rückblick lässt sich das Cross-Over von bildender und performativer Kunst, ergänzt um literarische Zeugnisse gar als Vorläufer der erst in den 1960er-Jahren entstehenden Fluxusbewegung betrachten.

Die Ausstellung stellt erstmals das breite Schaffen der Vereinigung vor. Sie zeichnet dazu die Biografien verschiedener Mitglieder nach. Viele der ausgestellten Objekte werden erstmals präsentiert, nachdem sie in aufwendige Recherchen aus Deutschland, verschiedenen Ländern Europas und Kanada wieder zusammengetragen wurden.

Für ihre wöchentlichen Zusammenkünfte, stets samstags, hatten sich die Mitglieder übrigens ebenfalls ihre ganz eigene Welt geschaffen: In den damaligen Brülschen Terrassen hatten sie einen Raum angemietet und diesen künstlerisch ausgestaltet. Dieser Raum wird in der Ausstellung „100 Jahre Kunsthütte“ mit originalgetreuer Einrichtung nachgebildet sein.

Eine Würdigung der Altenburger Kunsthütte in der deutschen Geschichtsschreibung historischer Avantgarden des frühen 20. Jahrhundert steht bis heute aus. Die nunmehr mit dem Sammler Alexander Vogel gemeinsam realisierte Ausstellung soll auch Ausgangspunkt und Anregungen für zukünftige Forschungen sein.

Bitte informieren sie sich rechtzeitig auch über unsere Sonderführungsangebote zum Thema und den „Advent im Schloss“ am 8. Dezember, der als Hüttenzauber ein weihnachtliches Begleitprogramm bietet.